Metropol Berlin

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Infos

Bezirk
Schoeneberg
Adresse
Nollendorfplatz 5
Postleitzahl
10777
City
Berlin
Öffnungszeiten
Konzerte & Partys unterschiedlich
Floors
2
Preise / Eintritt
ab 15€
Größe
1000qm
Musikstile
  • Disco
  • Electro
  • Hip-Hop
  • House
  • Party
  • R´n´B
Clubtyp
  • Club
  • Fetish/SM
  • Liveclub
Webseite: Gästeliste

Metropol » John Travolta von Berlin.

Berlin war lange Zeit ein Spielplatz des Nachtlebens, noch bevor 1989 die Mauer fiel und sich Techno in der Stadt verbreitete. In der Tat wurde die Saat dieser Techno Revolution im Westen bereits seit vielen Jahren gesät. Es waren Locations in Schöneberg oder Steglitz (Wrangelschlösschen), in denen die ersten Techno Partys stattfanden, damals hießen sie noch sehr häufig Acid House Partys.

Gerade auch das Metropol bereitete den Weg zum heutigen Techno. Letztlich ist das Berghain in vielen Bereichen eine Kopie des Metropols Ende der 1970er und der 80er Jahre.

Geschichte des Metropol

Das Metropol war einer der ersten Clubs seiner Art, ein dekadenter Raum, der 1978 eröffnet wurde und angeblich dem Studio 54 nachempfunden sein soll.

In den 1920er und 1930er Jahren war das Metropol das Theater am Nollendorfplatz. Der ursprüngliche Theatersaal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

TBS 044 11.jpg Von Max Missmann (1874-1945, als Fotograf) - Max Missmann (1874-1945, als Fotograf), CC0, Link

Die Location hatte schon viele Namen, unter anderem Golden20, Goya, Metropol, KitKat Club, Uranium, Nexxt Level, Schauspielhaus,  Cabaret Noir, Chaplin’s Garden II oder auch Anno 1905.

Was später zum Metropol wurde, war eigentlich nur ein kleiner Nebensaal des Theaters, der so groß war, dass er sich über zwei Stockwerke erstreckte. Brechts Dreigroschenoper  wurde dort in den 50er Jahren aufgeführt, dann später in ein Pornokino umgewandelt. Beim Vorbeifahren in den  70er Jahren am Nollendorfplatz waren deutlich die großen Pornofilmplakate zu sehen.

Als das Pornokino nicht mehr so gut lief kam die brilliante Idee auf, daraus eine Diskothek zu machen. Die Voraussetzungen waren ja ideal, es gab verschiedene Bars auf mehreren Ebenen, es gab eine Galerie und einen großen Saal mit einem wunderbaren hölzernen Tanzboden.

Der Teil von Schöneberg, in dem sich die Location befindet, war traditionell ein Schwulenviertel, sogar schon in den 1920er Jahren,  mit vielen Bars, Kneipen und Nachtclubs. In diesem Sinne passte es wirklich gut hier eine große Diskothek zu eröffnen.

In den anderen Berliner Diskos war das Musikprogramm meist ziemlich kommerziell. Es hieß, das würde im neuen Metropol anders werden, entsprechend war die Vorfreude im Vorfeld der Eröffnung. Es sollte mehr  Disco, Donna Summer, Liza Minnelli, Diana Ross und Gloria Gaynor, Space Rock und ein bisschen Reggae gespielt werden, alles importiert aus New York, angelehnt an dessen plüschigen Nachtclub Studio 45. Die Berliner Partycrowd konnte es kaum erwarten.

Einige Besucher waren von Ehrfurcht ergriffen als ich zum ersten Mal die Haupthalle betraten. Der Sound und der Ort haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nollendorfplatz B-Schoeneberg 06-2017 img1.jpg Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) - Eigenes Werk, FAL, Link

Bis zur Eröffnung war es völlig unüblich, dass Homos und Heteros gemeinsam feierten, das sollte sich dann schnell ändern.

Durch die Disco rückte das schwule Nachtleben schließlich ein wenig in den Fokus des Mainstreams.

Der Club schlug sehr gut ein, einige Monate nach Eröffnung  waren die vielen anderen Bars und Diskotheken in der Gegend plötzlich leerer bzw. ab einer bestimmten Uhrzeit am Abend nicht mehr so gut besucht. Niemand kümmerte sich darum, welche sexuelle Orientierung die Person hatte oder wie sie tanzte.

Das besondere war, dass niemand reagiert hat, egal wie seltsam oder ungewöhnlich sich der einzelne verhielt oder wie er aussah. Und das war auch einer der Gründe, warum etliche Prominente häufig ins Metropol kamen. Es war auch für sie eben ein Disco Abend, wie für jeden anderen Gast. Niemand hat sich um sie gekümmert. Jeder konnte alles sein, was er wollte.

Es war unglaublich, der Club nahm vom ersten Tag an Fahrt auf. Die Größe der Location tat ihr übriges. Einen Nachtclub bzw. Diskothek in dieser Größe hatte es in Berlin bis dahin noch nicht gegeben.

Der Ort verfügte über viele dunklen Bereiche an den Seiten, die kein Licht hatten. Es gab große Vorhänge, hinter denen sich die Besucher verstecken konnten. Und da war zum Beispiel auch noch das berüchtigte blaue Zimmer auf dem Balkon, also immer genügend  Einrichtungen, die der Ausschweifung dienten.

Je länger die Nacht dauerte, desto fröhlicher wurden die Partygäste. Und sie küssten sich sogar. Es war wie in New York und San Francisco. Manche Pärchen  lagen auf den Kissen im Nebenraum herum und knutschten - in der Öffentlichkeit. Solche Szenen gab es in Berlin vorher noch nicht. Für viele junge Menschen eine wirklich augenöffnende Erfahrung.

Das Publikum unterschied sich stark von den anderer Orte des damaligen Nachtlebens, zum Beispiel von dem des Dschungel. Dschungel und Cha Cha in der Nürnberger Straße waren recht kleine Bars mit Tanzflächen, hier war das Publikum eher schicker und eleganter. Wenn diese Läden voll waren, dann waren 200 Gäste drin, was in Charlottenburg für West Berliner  Verhältnisse schon eine Menge war, musikalisch gab es dort hauptsächlich Black Musik zu hören. Dann gab es in der Gegend noch das Far Out am Lehniner Platz, ein mittelgroßer Club, der täglich geöffnet und gut besucht war. Hier hast du auch die Leute getroffen, die am Wochenende ins Metropol gingen. Dementsprechend waren die „coolen“ Tage im Far Out, der Donnerstag und der Sonntag. Freitag und Samstag ging es dann ins „Pol“.

Metropol Berlin

Bild: Metropol Wikipedia embedded

Das Metropol bot eine Plattform für Leute, die hauptsächlich tanzen wollten, also eine großen Dancefloor benötigten. Das Soundsystem und die Lasershow waren erstaunlich.

Die Tanzfläche bestand aus sehr schweren Holzdielen, und es gab verschiedene hölzerne Vorrichtungen und Plattformen, auf denen die Besucher  sitzen konnten. So etwas gab es vorher in Berlin nicht, das hatte noch niemand vorher gesehen. Überall blitzen Laserstrahlen auf. Sie kamen groß wie Leuchtstoffröhren auf die Besucher zu.

Besonders beeindruckend oben von der DJ Kanzel aus zu sehen. Die Lasershow wurde oft zu bestimmten Musikstücken passend programmiert, das war cool getimt und toll anzusehen.

Weiterhin hingen überall riesige verspiegelte Discokugeln, die jeweils die Laserstrahleffekte ablenkten und multiplizierten. Am Ende des Saals gab es eine Bühne, die wie eine Landebahn in den Himmel aussah, diese wurde in der Woche auch für Konzerte genutzt.

Vor der Bühne hatten die Betreiber eine Raumschiff-ähnliche Konstruktion von der Decke abgehängt, an der noch mehr Dekoelemente und Lichtshow-Technik hingen. Das Ganze konnte sich auf und ab bewegen. Meister Yoda wäre zufrieden gewesen.

Auf der anderen Seite des Raumes standen die DJs im ersten Stock auf ihrer Kanzel und heizten ein. Das DJ-Equipment befand sich auf der Galerie gegenüber der Bühne. Es befand sich in einer sehr geräumigen Kabine mit Glaswänden, so dass er seinen eigenen Sound hatte. Nachteil war, dass er sich sehr weit weg vom Publikum befand und so für Musikwünsche eher schwierig zu erreichen war. Das Ganze sah auch hier  nach einem Raumschiff aus. 1981 begann Metropol, Hi-NRG zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt brannte der Laden schon richtig.

Die Menge beobachtete den damaligen Resident DJ Chris mit Ehrfurcht, wie er als DJ auflegte. Oft ließ er zwei Exemplare der gleichen Platte gleichzeitig auf den Decks rotieren, um eine Art Flangeffekt zu erzeugen. Manchmal liefen 2 Stücke gleichzeitig mehrere Minuten lang.

Er nannte das "Raumeffekt",  so legte kein anderer DJ in Berlin auf. Er bevorzugte einen härteren Disco-Sound, den er "Heavy Disco" nannte.

Er arbeitete in der Woche dann als Verkäufer bei City Music nah beim Kurfürstendamm, hier versuchten die Gäste Anfang der Woche die Scheiben zu kaufen, die am Samstagnacht im Metropol liefen. Das war nicht immer möglich, da die Auflagen, die in Berlin ankamen, sehr gering waren.

Die meistgespielte Vinyls in den 80er damals im Metropol  waren "The Break" von Kat Mandu,  "Dance Disco Heat" & „Make me feel mighty real“ von Sylvester, „I feel love“ von Donna Summer und "Hot Shot" von Karen Young . Jeden Abend spielten sie weiterhin mindestens zehn Titel von Lime, andere Hits kamen von Divine, Bobby O und Patrick Cowley.

Der bekannteste DJ Laden hingegen in Berlin hieß damals Pinky Records, ein kleiner DJ Shop an der Kaisereiche fast am Walther Schreiber Platz in Steglitz, hier hast du in den 80er & 90ern fast alle bekannten DJs in der Woche getroffen, besonders an den Tagen, an denen der Paketbote die Pakete mit den neusten Vinyls brachte.

Zurück zum Metropol: Die Lasershow war ziemlich beeindruckend.  Nach häufigeren Besuchen interessierte die Stammgäste diese Show aber nicht mehr, die Gäste waren wegen der Musik dort.

Ein Abend im „Pol“ war wie eine Art Disco-Show auf YouTube im Livestream, sehr unterhaltsam.

Schon damals gab es Türsteher, sie standen unten am Eingang neben der Kasse, direkt an der Treppe zum Club nach oben und sie filterten heraus, wer hinein durfte und wer nicht.

Der Ort wurde bald zu einem Magneten für alle Arten von Musikern und Stars und es gab bahnbrechenden Konzerte. Kraftwerk spielten dort während ihrer Tournee für die Computerwelt ein brillantes fantastisches Konzert.  Die Pet Shop Boys spielten dort mehrmals als unbekannte Band.

Und es gab eine Auftritt von Grace Jones, eine absolute Disco Ikone, besonders durch ihr Album „Nightclubbing“. Ihr Konzert im Metropol soll legendär und eben in dieser Form nur dort möglich gewesen sein. Als eine "One Man Show" inszeniert, mit einen langen Laufsteg in der Mitte der Tanzfläche auf. Natürlich ließ sie ihr Publikum über eine Stunde warten, bis sie endlich auf die Bühne kam.Sie trat dann in einem Gorillakostüm auf, entsprechend rastete das Publikum aus.

Während der Blütezeit West-Berlins in den 1980er Jahren wurde die Location in diesem Sinne  zu einem berühmten Musikclub, in der Bands wie Depeche Mode, Morrissey, The Cross, The Human League und Front 242 Konzerte gaben.

Das Metropol war als Schwulenort bekannt, aber es gab dort nicht nur Schwule.

Bei den Club Partys am Wochenende gab es auch viele Heteros, die wirklich süchtig nach Hi-NRG waren. Einfach weil es so viel Energie ausstrahlte. Eben Schnelle Tanzmusik.

Im Metropol standen die Schwulen in den Ecken, sie trugen hellblaue Jeans, eng anliegende, abgeschnittene Tops, deren Bauchnabel manchmal entblößt war, und mit kurze Frisuren. In der anderen Ecke standen die Ledermänner, richtig Hardcore mit Leder und Ketten.

An der Frontseite feierten die jugendlichen Kids aus den Berliner Außenbezirken und auf der anderen Seite der Tanzfläche die New-Wave-Kinder.

Letztlich heißt es heute, im Berghain sei die Anordnung der Gäste die gleiche wie damals im Metropol.

In der vorderen linken Ecke alle Schwulen und Ledermänner, in der vorderen rechten Ecke alle coolen Heteros, in der hinteren linken Ecke alle Transvestiten und in der hinteren rechten Ecke alle Touristen.

Der Resident DJ Westbam fasste das Metropol einmal ungefähr so zusammen: Es war mit dem frühen Christentum zu vergleichen. Es gab den Tempel im Zentrum, und die Griechen, die dabei sein wollten, durften draußen herumlaufen.

Die Disco-Ära war im Grunde genommen vorbei. Stattdessen gab es Hi-NRG. Es war auch die Zeit von New Wave und New Romantic. Es gab auch einen Betreiber Wechsel im Metropol, außerdem wechselte der Resident DJ, Westbam begann im Metropol aufzulegen.

Westbam war im Hinblick auf die Musikmischung härter. Die Stücke liefen nicht mehr so lange am Stück, er war ziemlich schnell und hat zwischendurch auch Mal gescratcht.

Richtig begannen ihn die Berliner Partygänger aber durch seine Auftritte im Zelt vor der Deutschlandhalle zu lieben. Bei der „Macht der Nacht“ zeigte sich, dass neben House, später Techno, auch Hip Hop in Berlin langsam Fahrt auf nahm. „We want some Pussy“ von der Two Live Crew avancierte vor der legendären Deutschlandhalle zum Party Hit.

Auf Wunsch vom neuen Betreiber wurde die Musik im „Pol“ mainstreamiger, mehr Musik aus den Charts wurde gespielt, aber eben auch mehr Elektro und früherer House.

Es gab mehrere Phasen im Metropol: die sehr kurzen noblen Tage am Anfang mit all dem Streicher-Disco-Sound, dann die frühen 80er Jahre, in denen sie viel New Yorker Disco und Hi-NRG spielten, und dann ab Mitte/Ende der 80er Jahre: House.

Schon ab ca. 1987/1988 änderte sich in West-Berlin der Sound, es kam Acid House und House.Das Wort Techno gab es damals noch nicht.

Es war eben aber auch das Ende vom „coolen“ szenigen Metropol. Die Disco war Vergangenheit und alle interessierten sich für die Zukunft.

Plötzlich wurde in Steglitz im Wrangelschlösschen oder ganz unten im heutigen „Havanna“ im dichten Nebel gefeiert.

Dank einer Radiomoderatorin, namens Monika Dietl, und ihrer Radioshow am Samstag auf SFB 2 wurde die House Musik auch bei einer breiteren  Öffentlichkeit bekannt.

Natürlich verstärkte ihr einmaliger bairischer Akzent die Aufmerksamkeit für ihre Show.

Es gab ihr immer wieder kehrendes Motto zu hören: „Shut up and Dance“ und für die Ungläubigen „Fuck off and Die“.  Sie machte House in Berlin bekannt.

Auch einer der Gründe warum es Zeit wird, den RBB wieder in SFB zurück zu benennen, das ist der Original Radiosender, mit dem die Berliner ihre Stadt verbinden. Aber wer weiss wie lange es Radio überhaupt noch geben wird.

Der neue Sound  trieb die Szene buchstäblich unterirdisch in den ersten UFO-Club im Untergeschoss an der Köpenickerstraße und rettete deren Tanzabende.

Viele der Leute, die im Metropol feierten, waren der Kern der frühen House- und Techno-Szene.

Ende der 90er erlebte das Metropol noch einmal einen 2ten Frühling. Im ersten Stock zog kurzzeitig der KitKatClub ein, im Hauptsaal wurden Partys gefeiert.

Das 2005 gestartete Projekt namens „Goya“ scheiterte dann kläglich. Es sollten am Wochenende über 3000 Gäste kommen, in der Regel ü30, und viel trinken.

Wer sich in der Veranstaltungsszene auskannte wusste, dass dies unmöglich war. Zumal andere Locations, wie die zum Beispiel die Kalkscheune, mit der „Schönen Party“ und der „Ma Baker Party“ bei diesem Publikum damals schon sehr beliebt und erfolgreich waren.

Konzerte fanden innerhalb der Woche im Goya auch nicht statt, bzw. nur sehr sporadisch. Nur ein guter Standort mit eine entsprechenden Historie allein reichte nicht aus.

Goya Nollendorfplatz Berlin-Schöneberg

Bild: Metropol Wikipedia embedded

Die Location stand dann mehrere Jahre leer. Angeblich seien die Mietvorstellungen zu hoch gewesen.

2019 fasste sich Tom Spindler ein Herz  und belebte die Event Location wieder. Der Chef von Trinity Concerts hat durch seine über 1000 veranstalteten Konzerte im Jahr die Möglichkeit den Saal, zusätzlich zu den Clubveranstaltungen am Wochenende, auch innerhalb der Woche auszulasten. So macht das dann auch Sinn.

Heute stehen auf insgesamt rund 1.000 m² Veranstaltungsräume auf mehreren Etagen zur Verfügung. Eine einzigartige Tonanlage hat er auch ins Metropol einbauen lassen.

Und er hat der Location zum Glück wieder seinen richtigen Namen zurückgegeben.

Langsam kehrt das Berliner Nachtleben wieder zum Mutterbezirk Schöneberg zurück.